Verkehrsverein Rothenberg
Verkehrsverein Rothenberg
Verkehrs-und Verschönerungsverein Rothenberg
Verkehrs-und Verschönerungsverein Rothenberg

Rothenberger Rückspiegel

Historische Bilder zeigen nur einen Teil der Wahrheit und verleiten zu dem Reflex: Früher war alles besser, schöner, idyllischer usw. Nostalgie halt. Unsere Bilderauswahl speist sich hauptsächlich aus dem 20. Jahrhundert. 

In Kürze: Monarchistischer Obrigkeitsstaat, 1. Weltkrieg, Seuchen wie Typhus, Cholera und spanische Grippe, Wirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit, Währungsreform, Naziregime, Verfolgung, Terror, 2. Weltkrieg, Flucht, Vertreibung, Teilung Deutschlands, Währungsreform … .

Die Aufzählung lässt sich ergänzen und fortsetzen. Beim Betrachten der Bilder bitte auch bedenken: Armut, prekäre Wohn- und Arbeitsverhältnisse waren schon mangels Kamera nicht fotogen. Harte Arbeit wurde selten fotografiert. Auf dem Acker oder im Steinbruch hatte keiner eine Kamera dabei. Fotografierte Personen tragen Sonntagskleidung, die Szenen sind in der Regel gestellt, der Fotograf war angereist oder wurde in Eberbach besucht. Postkarten machen Werbung, laden ein zum Urlaub im Höhenluftkurort, zeigen die Idylle. Bilder von Festen signalisieren Heiterkeit.

 

Was zeigen diese Bilder?

Genaues Hinsehen lohnt sich.

Bonuss

 

für die Besucher der Homepage:

 

Bilder, die im Blättel nicht veröffentlicht werden

1900

 

Ausschnitt aus einer Postkarte

1954

 

Ein paar Schippen noch, dann kann der Ministerpräsident (Georg August Zinn) zur Einweihung des neuen Dorfgemeinschafts-hauses kommen.

Undatiert:

 

Backofen des Anwesens Bartmann (Wipfrebauer) heute: Weiss, am Metzkeil

 

Undatiert:

 

Gasthaus
"Zur frischen Quelle"

Wie im Blättel angekündigt: Unser erstes Bild

1.

Gasthäuser "Zum Adler", Bes. Wilhelm Schwinn und "Zum Hirsch", Bes.Peter Ludwig Hanst.

 

Genaues Hinsehen lohnt sich:

Zwischen der Gastronomie dampft die Bettwäsche des Feldschützen Wieder auf dem Geländer der Staffel vor seinem Haus. Die Ansichtskarte, soll in den Jahren um 1910 gedruckt sein. Muss nicht stimmen:
Auf den Häusern befinden sich Dachständer. Entweder zur Elektrizitätsversorgung, die erst ab 1919 beginnt oder es ist eine Telefonleitung. Zwischen 1902 und 1904 wurden die ersten Fernsprechstellen, zunächst in Hainbrunn, dann in Rothenberg eingerichtet. Für die Fernsprechleitung spricht, dass das Haus des Feldschützen ohne Dachständer auskommt.

2.

Krämersbrunnen mit Blick auf das Haus Sauer (Sauerschneirersch) und die Anwesen Weinthäter und Beisel (Famgsäsersch). Die Treppe vor dem Haus führte in Wilhelmines Kolonialwarenladen.

Undatiert. Der geparkte PKW verweist in die 60er Jahre. Hinkel uff de Gass gehörten früher ins Ortsbild.

3. 

Hirschhorner Straße, Mitte der 50er.

Der Fotograf hat das neue, 1954 eingeweihte Rothenberger Dorfgemeinschaftshaus, später Gemeindeverwaltung und Kindergarten, im Focus. Die uralte Baulücke zwischen Unter- und Oberdorf wird langsam geschlossen.
Rechts das Scholzehannese-Haus. Dahinter, in offenem Fachwerk, das Armen- oder Hirtenhaus, laut einer im Sockel eingemeißelten Bauurkunde 1776 erbaut. Gegenüber Stallungen und Scheunen des Anwesens Schwinn (Rechnersch). Das Heag-Türmchen steht noch nicht, der Blick ist frei auf den zwischenzeitlich abgerissenen Säustall der Familie Volk. Den heute längst bebauten Hang zieren noch die Masten der Stromversorgung. Die Gartenmauer links ist bis heute erhalten. Ein Geheimnis gibt die Fotografie nicht preis: Ist die Straße geteert oder nicht?

4.

Rothenberger Unterdorf von Norden. Postkarte, colorierte Lithografie, undatiert, Poststempel nicht lesbar. Wann könnte die Karte entstanden sein?

 

Genaues Hinsehen lohnt sich: Die Karte verrät ihr ungefähres Alter nämlich selbst und erzählt dabei einiges aus der Rothenberger Geschichte.

 

Die Briefmarken auf der Rückseite stammen aus dem Kaiserreich. Dreißig Pfennig berappte der Absender an die Reichspost; ganz schön happig in der Zeit vor 1918, in der 1 kg Brot für ca. 50 Pfennig gehandelt wurde.

 

Aus dem Vordergrund zieht sich das helle Bandder Straße ins Dorf. Der Schotterbelag sieht nicht nur aus wie neu, er ist auch relativ neu. Die Straße zwischen Beerfelden und Rothenberg wurde von 1901 bis 1904 gebaut. Der Wuchszustand der „Beem“ am Straßenrand – heute sagt man Straßenbegleitgrün – könnte mit etwa zehn Jahren nach der Pflanzung geschätzt werden. Das Pfarrhaus der evangelischen Landeskirche wurde 1908 errichtet. Damit ist der zeitliche Marker für die früheste Entstehung der Postkarte gesetzt: Nicht vor 1908. Den zweiten Marker liefert die Abbildung der Schule: Das Glockentürmchen. Seit dem Bau der Schule im Jahr 1870 gliederte Glockengebimmel den Schulalltag. 1916 musste die Schulglocke zur Einschmelzung als Material für die Kriegswaffenproduktion des 1. Weltkriegs abgegeben werden. Im gleichen Jahr war tagelang auf der Rothenberger Höhe der Kanonendonner von den 300 km entfernten Schlachtfeldern bei Verdun zu hören.

 

Das Türmchen selbst war nach 46 Jahren reparaturbedürftig und wurde nach der Ablieferung der Glocke kurzerhand  abgerissen.
Die Karte datiert also vor 1916.

Kommentare, Richtigstellungen und Ergänzungen unter bilder@vvrothenberg.de

Hier finden Sie uns

Verkehrs- und Verschönerungsverein Rothenberg

Im Gässel 1

64760 Oberzent-             Rothenberg

Kontakt

Rufen Sie einfach an unter

Thomas Wilcke

+49 6275 1027

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Verkehrs- und Verschönerungsverein Rothenberg