Trotz reichlicher Niederschläge hatte Rothenberg immer wieder mit Wassernöten zu kämpfen:
Es liegt hoch auf einer wasserdurchlässigen Sandsteinformation des Odenwaldes.
Wie die Rothenberger ihre Wasserversorgung sicherstellten, erfahren Sie hier.
Im Ausstellungsgebäude am Naturparkplatz an der Landesstraße L3410 (Beerfelden – Hirschhorn), zwischen Rothenberg und Rothenberg-Kortelshütte, präsentieren wir eine technische Rarität:
Den betriebsfähig restaurierten Wassermotor der Wasserversorgung Rothenberg aus dem Jahr 1902.
Der ausgestellte Wassermotor mit Drillingspumpe ist Teil eines Pumpwerkes, das von 1902 bis in die sechziger Jahre zunächst Rothenberg, dann auch Ober-Hainbrunn und Kortelshütte mit Wasser versorgte.
Die Anlage ist eine technische Rarität. Mit ihrer Hilfe gelang es, ohne den Einsatz fremder Energie, Wasser aus einer 40
Meter oberhalb der Pumpstation gelegenen Quelle über einen Höhenunterschied von 280 Metern aus dem Gammelsbachtal in den Rothenberger Hochbehälter zu fördern.
Der Schmid’sche Wassermotor
Kernstück der alten Rothenberger Wasserversorgungsanlage sind zwei Wassermotoren. Hersteller der Motoren war die Maschinenfabrik Schmid in Zürich. Jeder Motor treibt je eine dreizylindrige Pumpe an. Je ein Motor bildet zusammen mit einer Pumpe eine Einheit.
Ähnlich einer Dampfmaschine drückt das Wasser auf die Kolben der zweizylindrigen Maschinen. Die Kolbenstangen übertragen die Bewegung und die Kraft auf die Kurbelwelle. Auf der einen Seite der Kurbelwelle sitzt das Schwungrad, auf der anderen Seite die Kupplung, die Motor und Pumpe miteinander verbindet.
Beachtenswert ist die Steuerung der Wassermotoren durch die unterhalb der Zylinder angeordneten Schieber.
Die Zylinder sind mittels Zapfen in je zwei zur Zylinderachse parallele Stangen gelagert. Durch die Bewegung des Kurbelgetriebes werden die Zylinder in eine schwingende Bewegung versetzt.
Dadurch werden die Öffnungen der Kanäle an der Unterseite der Zylinder am kreisbogenförmigen Schieberspiegel abwechselnd mit der Öffnung des Druckrohres oder einer der beiden Öffnungen des
Entleerungsrohres in Verbindung gebracht. Der Zylinder füllt sich somit abhängig von seiner Lage entweder von vorn oder von hinten Da der Wasserdruck bestrebt ist, den Zylinder vom Schieberspiegel
abzuheben, kann man mit der richtigen Einstellung der Schraube mit Handrad das Verhältnis zwischen Leckwasser und Schieberreibung optimieren.
Die Schmierung der Wassermotoren erfolgt mittels Stauferbüchsen, im Bereich Kolben/Zylinder und des Schiebers durch das
Beaufschlagungswasser.
Die Abdichtung von Kolben und Kolbenstangen gegen die Zylinder bzw. Führungen der Kolbenstangen erfolgt mit eingepressten Talgstricken nach dem Prinzip einer Stopfbüchse.
Die Pumpe
Die Excenter der Pumpen sitzen auf einer Welle, die mit der Welle des zugeordneten Motors fluchtet.
Die Enden der vom Kreuzkopf zum Zylinder führenden ‘Kolben’-Stangen sind als Plunger ausgebildet. Durch den sich hin und her bewegenden Plunger vergrößert oder verkleinert den Pumpenraum, saugt oder drückt dadurch das Wasser. Der senkrecht stehende Windkessel enthält in seinem unteren Teil das Saugventil, etwa in der Mitte ist das Druckventil angeordnet. Das Saugventil ist beim Druckhub des Plungers geschlossen. Es verhindert, dass Wasser in die Saugrichtung der Pumpe zurück gepresst wird. Beim Saughub schließt das Druckventil. Es sorgt dafür, dass bereits in die Förderleitung geströmtes Wasser nicht zurückfließt.
Die Wartung der Pumpen, die durch den hohen Druck, den sie zu erzeugen hatten, mechanisch extrem belastet waren, war sehr arbeitsintensiv. Die Lederdichtungen der tellerförmigen Pumpenventile unterlagen einem hohen Verschleiß; wie es sich schon kurz nach der Inbetriebnahme herausstellte und in der Zukunft bestätigt wurde, handelte es sich um die Achillesferse der Anlage. Außerdem musste die Pumpe fortwährend geschmiert werden. In den fünfziger Jahren wurde die Schmierung durch Einbau einer (wieder entfernten) Ölpumpe mechanisiert und durch den Ersatz der Lederdichtungen an den Ventilen durch Kunststoff die Standzeiten der Dichtungen wesentlich verlängert.
Die Animationen zur Funktion von Wassermotor und Pumpe sind selbst erstellt.
Copyright: Wilcke, VV Rothenberg
Thomas Wilcke: 06275-1027
Geopark-Pfad Oberzent-Rothenberg
Themenschwerpunkt: Wasser
Interessante Fotos vom Zustand der Anlage vor der Restaurierung unter:
www.morr-siedelsbrunn.de/odenwald/alte-wasserversorgung-rothenberg/